Novalis

der herrliche Fremdling

Lyrik von Novalis
Klanginstrumente und
Musik von von Albinoni, Bach, Beethoven, Händel


Eurythmie-Klang-Perfomance
Diana-Maria Sagvosdkina: Eurythmie, Sprache, Klanginstrumente
Ulrike Stegmiller: Eurythmie, Sprache
Daria Kravchenko: Klavier

(Aquarell von Maria Daleija)



- J.S. Bach, Air
- Novalis, 1. Hymne an die Nacht, Welcher Lebendige,
- Klanginstrumente
- Novalis, 1. Hymne an die Nacht, Abwärts wende ich,
- Klanginstrumente
- Novalis, 1. Hymne an die Nacht, was quillt auf einmal,
- Friedrich Händel, a. d. 4. Violinsontae in D-Dur, Larghetto,
- Novalis, 2. Hymne an die Nacht,
- Klanginstrumente
- Novalis, 3. Hymne an die Nacht,
- Tomaso Albinoni, Adagio in g-moll
- Novalis, aus: geistliche Lieder: Es gibt so bange Zeiten,
- Beethoven, Adagio cantabile, a.d. Pathetique
- Novalis, aus: geistliche Lieder: Unter tausend frohen Stunden
- Klanginstrumente
- Novalis, aus: geistliche Lieder 7, Hymne, wenige wissen
- J.S. Bach, Air -

Änderungen vorbehalten.

Texte der Aufführung:
Novalis Texte der Aufführung

Novalis, mit bürgerlichen Namen Georg Philipp Friedrich von Hardenberg wurde am 2. Mai 1772 geboren und starb nur 29 jährig am 25. März 1801.
Wir feiern also dieses Jahr seinen 125 jährigen Todestag.
Kaum ein Dichter kann das Licht und die irdische Welt so wunderbar schildern wie er. Aber er führt uns in seinen Hymnen an die Nacht in die heilige, geheimnisvolle Nacht, in die geistige Welt.
Am Grab seiner Geliebten Sophie hatte er ein Einweihungserlebnis, das er eindrücklich in den Hymnen schildert.
Einige der Hymnen kommen zur Aufführung.
Kein anderer Dichter ist ein so wunderbarer Christuskünder wie Novalis. In seinen geistlichen Liedern können wir dies erleben. Auch davon kommen einige an dem Abend zur Aufführung.
Sein Werk ist sicher noch nicht voll ausgeschöpft und wir freuen uns dies Ihnen eurythmisch und sprachlich darbieten zu können.
Das Programm wird durch Klanginstrumente und Musik von Albinoni, Bach, Beethoven, Händel abgerundet.

Texte der Aufführung:

Novalis, Hymnen an die Nacht

1.
Welcher Lebendige, Sinnbegabte, liebt nicht vor allen Wundererscheinungen des verbreiteten Raums um ihn, das allerfreuliche Licht - mit seinen Farben, seinen Stralen und Wogen; seiner milden Allgegenwart, als weckender Tag. Wie des Lebens innerste Seele athmet es der rastlosen Gestirne Riesenwelt, und schwimmt tanzend in seiner blauen Flut - athmet es der funkelnde, ewigruhende Stein, die sinnige, saugende Pflanze, und das wilde, brennende, vielgestaltete Thier - vor allen aber der herrliche Fremdling mit den sinnvollen Augen, dem schwebenden Gange, und den zartgeschlossenen, tonreichen Lippen. Wie ein König der irdischen Natur ruft es jede Kraft zu zahllosen Verwandlungen, knüpft und löst unendliche Bündnisse, hängt sein himmlisches Bild jedem irdischen Wesen um. - Seine Gegenwart allein offenbart die Wunderherrlichkeit der Reiche der Welt.

Abwärts wend ich mich zu der heiligen, unaussprechlichen, geheimnißvollen Nacht. Fernab liegt die Welt - in eine tiefe Gruft versenkt - wüst und einsam ist ihre Stelle. In den Sayten der Brust weht tiefe Wehmuth. In Thautropfen will ich hinuntersinken und mit der Asche mich vermischen. - Fernen der Erinnerung, Wünsche der Jugend, der Kindheit Träume, des ganzen langen Lebens kurze Freuden und vergebliche Hoffnungen kommen in grauen Kleidern, wie Abendnebel nach der Sonne Untergang. In andern Räumen schlug die lustigen Gezelte das Licht auf. Sollte es nie zu seinen Kindern wiederkommen, die mit der Unschuld Glauben seiner harren?

Was quillt auf einmal so ahndungsvoll unterm Herzen, und verschluckt der Wehmuth weiche Luft? Hast auch du ein Gefallen an uns, dunkle Nacht? Was hältst du unter deinem Mantel, das mir unsichtbar kräftig an die Seele geht? Köstlicher Balsam träuft aus deiner Hand, aus dem Bündel Mohn. Die schweren Flügel des Gemüths hebst du empor. Dunkel und unaussprechlich fühlen wir uns bewegt - ein ernstes Antlitz seh ich froh erschrocken, das sanft und andachtsvoll sich zu mir neigt, und unter unendlich verschlungenen Locken der Mutter liebe Jugend zeigt. Wie arm und kindisch dünkt mir das Licht nun - wie erfreulich und gesegnet des Tages Abschied - Also nur darum, weil die Nacht dir abwendig macht die Dienenden, säetest du in des Raumes Weiten die leuchtenden Kugeln, zu verkünden deine Allmacht - deine Wiederkehr - in den Zeiten deiner Entfernung. Himmlischer, als jene blitzenden Sterne, dünken uns die unendlichen Augen, die die Nacht in uns geöffnet. Weiter sehn sie, als die blässesten jener zahllosen Heere - unbedürftig des Lichts durchschaun sie die Tiefen eines liebenden Gemüths - was einen höhern Raum mit unsäglicher Wollust füllt. Preis der Weltköniginn, der hohen Verkündigerinn heiliger Welten, der Pflegerinn seliger Liebe - sie sendet mir dich - zarte Geliebte - liebliche Sonne der Nacht, - nun wach ich - denn ich bin Dein und Mein - du hast die Nacht mir zum Leben verkündet - mich zum Menschen gemacht - zehre mit Geisterglut meinen Leib, daß ich luftig mit dir inniger mich mische und dann ewig die Brautnacht währt.

2.
Muß immer der Morgen wiederkommen? Endet nie des Irdischen Gewalt? unselige Geschäftigkeit verzehrt den himmlischen Anflug der Nacht. Wird nie der Liebe geheimes Opfer ewig brennen? Zugemessen ward dem Lichte seine Zeit; aber zeitlos und raumlos ist der Nacht Herrschaft. - Ewig ist die Dauer des Schlafs. Heiliger Schlaf - beglücke zu selten nicht der Nacht Geweihte in diesem irdischen Tagewerk. Nur die Thoren verkennen dich und wissen von keinem Schlafe, als den Schatten, den du in jener Dämmerung der wahrhaften Nacht mitleidig auf uns wirfst. Sie fühlen dich nicht in der goldnen Flut der Trauben - in des Mandelbaums Wunderöl, und dem braunen Safte des Mohns. Sie wissen nicht, daß du es bist der des zarten Mädchens Busen umschwebt und zum Himmel den Schoß macht - ahnden nicht, daß aus alten Geschichten du himmelöffnend entgegentrittst und den Schlüssel trägst zu den Wohnungen der Seligen, unendlicher Geheimnisse schweigender Bote.

3.
Einst da ich bittre Thränen vergoß, da in Schmerz aufgelöst meine Hoffnung zerrann, und ich einsam stand am dürren Hügel, der in engen, dunkeln Raum die Gestalt meines Lebens barg - einsam, wie noch kein Einsamer war, von unsäglicher Angst getrieben - kraftlos, nur ein Gedanken des Elends noch. - Wie ich da nach Hülfe umherschaute, vorwärts nicht konnte und rückwärts nicht, und am fliehenden, verlöschten Leben mit unendlicher Sehnsucht hing: - da kam aus blauen Fernen - von den Höhen meiner alten Seligkeit ein Dämmerungsschauer - und mit einemmale riß das Band der Geburt - des Lichtes Fessel. Hin floh die irdische Herrlichkeit und meine Trauer mit ihr - zusammen floß die Wehmuth in eine neue, unergründliche Welt - du Nachtbegeisterung, Schlummer des Himmels kamst über mich - die Gegend hob sich sacht empor; über der Gegend schwebte mein entbundner, neugeborner Geist. Zur Staubwolke wurde der Hügel - durch die Wolke sah ich die verklärten Züge der Geliebten. In ihren Augen ruhte die Ewigkeit - ich faßte ihre Hände, und die Thränen wurden ein funkelndes, unzerreißliches Band. Jahrtausende zogen abwärts in die Ferne, wie Ungewitter. An Ihrem Halse weint ich dem neuen Leben entzückende Thränen. - Es war der erste, einzige Traum - und erst seitdem fühl ich ewigen, unwandelbaren Glauben an den Himmel der Nacht und sein Licht, die Geliebte.

Novalis, aus geistlichen Liedern

Es gibt so bange Zeiten,
Es gibt so trüben Mut,
Wo alles sich von weitem
Gespenstisch zeigen tut.

Es schleichen wilde Schrecken
So ängstlich leise her,
Und tiefe Nächte decken
Die Seele zentnerschwer.

Die sichern Stützen schwanken,
Kein Halt der Zuversicht;
Der Wirbel der Gedanken
Gehorcht dem Willen nicht.

Der Wahnsinn naht und locket
Unwiderstehlich hin.
Der Puls des Lebens stocket,
Und stumpf ist jeder Sinn.

Wer hat das Kreuz erhoben
Zum Schutz für jedes Herz?
Wer wohnt im Himmel droben,
Und hilft in Angst und Schmerz?

Geh zu dem Wunderstamme,
Gib stiller Sehnsucht Raum,
Aus ihm geht eine Flamme
Und zehrt den schweren Traum.

Ein Engel zieht dich wieder
Gerettet auf den Stand,
Und schaust voll Freuden nieder
In das gelobte Land.


Novalis, aus geistlichen Liedern

Unter tausend frohen Stunden,
So im Leben ich gefunden,
Blieb nur eine mir getreu; Eine, wo in tausend Schmerzen Ich erfuhr in meinem Herzen, Wer für uns gestorben sey. Meine Welt war mir zerbrochen, Wie von einem Wurm gestochen Welkte Herz und Blüthe mir; Meines Lebens ganze Habe, Jeder Wunsch lag mir im Grabe, Und zur Qual war ich noch hier. Da ich so im stillen krankte, Ewig weint' und wegverlangte, Und nur blieb vor Angst und Wahn: Ward mir plötzlich, wie von oben Weg des Grabes Stein gehoben, Und mein Innres aufgetan. Novalis, aus geistlichen Liedern 7, Hymne Wenige wissen Das Geheimnis der Liebe, Fühlen Unersättlichkeit Und ewigen Durst. Des Abendmahls Göttliche Bedeutung Ist den Irdischen Sinnen Rätsel; Aber wer jemals Von heißen, geliebten Lippen Atem des Lebens sog, Wem heilige Glut In zitternde Wellen das Herz schmolz, Wem das Auge aufging, Daß er des Himmels Unergründliche Tiefe maß, Wird essen von seinem Leibe Und trinken von seinem Blute Ewiglich. Wer hat des irdischen Leibes Hohen Sinn erraten? Wer kann sagen, Daß er das Blut versteht? Einst ist alles Leib, Ein Leib, In himmlischem Blute Schwimmt das selige Paar. – O! daß das Weltmeer Schon errötete, Und in duftiges Fleisch Aufquölle der Fels! Nie endet das süße Mahl, Nie sättigt die Liebe sich. Nicht innig, nicht eigen genug Kann sie haben den Geliebten. Von immer zärteren Lippen Verwandelt wird das Genossene Inniglicher und näher. Heißere Wollust Durchbebt die Seele, Durstiger und hungriger Wird das Herz: Und so währet der Liebe Genuß Von Ewigkeit zu Ewigkeit. Hätten die Nüchternen Einmal gekostet, Alles verließen sie, Und setzten sich zu uns An den Tisch der Sehnsucht, Der nie leer wird. Sie erkannten der Liebe Unendliche Fülle, Und priesen die Nahrung Von Leib und Blut.



Fotos von Ruben Arutyunyan








über Novalis

über Tomaso Albinoni

über Bach

über Händel





Diana-Maria Sagvosdkina

Geboren in Stuttgart.
Liebte jede Kunst schon immer.
Als Kind Klavierunterricht, Eiskunstlauf, Ballett (und natürlich Eurythmie, da Waldorfschülerin…), Reiten
- Fachhochschulreife mit Bildhauerei und Malerei, an der Freie Waldorfschule Uhlandshöhe
1982-86 Ausbildung am Eurythmeum Stuttgart
- 1988 an der Bühne des Eurythmeum,
- Aufführungen und Kurse in Moskau,
1988 Geburt einer Tochter und 1990 eines Sohnes,
Heileurythmie Ausbildung in Pforzheim bei Felix Wilde, bis zu seinem Tode 2010 in seinem Kollegium unterrichtet.
Eurythmie Unterricht und Aufführungen in Moskau, Russland. Aufführungen in Deutschland, Schweiz, Österreich, Italien, Frankreich, Holland.
Tanztherapeutin und Klangtherapeutin.
Schauspiel und Puppentheater.
Freie Unterrichtestätigkeit mit Kinder und Erwachsenen, Arbeit mit Behinderten. Inklusive Aufführungen.
Freie Künstlerische Projekte seit 36 Jahren fachübergreifend mit andern Künstlern, schwerpunktmässig mit Kunst aus dem 20. und 21. Jahrhundert.




Ulrike Stegmiller
geb. 1976 in Stuttgart
1996 - 2001 Eurythmieausbildung
Danach Bühnentätigkeit Auftritte in Deutschland, u. a. Theaterhaus Stuttgart, Nationaltheater Mannheim, Schlosstheater Fulda, Theater Winthertur, Theater Cottbus, Lucent Dance Theater Den Haag; weitere Auftritte in Europa, Russland, Armenien
2001 - heute Tanzpädagogik, Theaterpädagogik, Malpädagogik mit Kindern und Jugendlichen an verschiedenen Schulen und Kultureinrichtungen im In und Ausland u.a. Humanistisches Gymnasium Meran (It.) und freien Waldorfschule Kräherwald Stuttgart
2004 Schauspielfortbildung Michael Tschechow, Innsbruck (A.)
Seit 2006 Beschäftigung mit Figurentheater
2006 Malstudium Moskau
Seit 2006 – heute zahlreiche eigene Theater und Figurentheaterproduktionen mit Aufführungen im In- und Ausland
2007 Fortbildung Theaterpädagogik an der Theaterwerkstatt Heidelberg
2007 - 2009 Fortbildungen in Butotanz
2007 - 2009 Mitarbeit im Theater am Olgaeck als Schauspielerin
2008 – 2009 Schauspielpraktikum bei Barbara Boivink
2009 Zusammenarbeit mit dem Kindertheater Babule, Stuttgart
2008 - 2010 Schauspielfortbildung anhand der Schauspielmethode Prof. David Esrig, Athanor Akademie
2009 Lehrauftrag an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart, Fach Figurentheater, Regie für Einzelarbeit „Der Schlangenjünglin“ chinesisches Märchen
2009 Teilnahme am Filmwinter in Stuttgart mit eigener Filmproduktion, Teilnahme auch an anderen Filmfestivals, u. a. Russland
2010 – heute regelmäßige Führungen für Kinder/ Jugendliche und Familien mit Figurenspiel, Theaterpädagogik und Tanz in der Staatsgalerie Stuttgart
2010 Aufführungen mit dem Theater Arkanum, Stuttgart, Stück "Die geschlossene Gesellschaft " von Jean Paul Sartre, Aufführungsorte: Wagenhallen Stuttgart und im Prediger, Schwäbisch Gmünd
2011 “Medea” gangreübergreifende Theaterproduktion Theaterhaus Stuttgart, Wilhelma Theater und Wagenhallen Stuttgart
2012 Lehrauftrag an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart, Fach Figurentheater, Regie für Diplominszenierung „Die Stadt der Frauen“
2013 "Die kleine Meerjungfrau" Schauspiel- und Figurentheaterstück, Premiere Theater am Faden Stuttgart
2013 Mitglied LaFT BW Orpheus Theater
2014 interaktives Figurentheaterstück "Die Füchsin und der Hase" mit Workshops für die Austellung "Märchenhaftes Russland" im Landesmuseum Stuttgart
"Der Nussknacker" Schauspiel- und Figurentheaterstück, Premiere Theater am Faden Stuttgart, gefördert durch LaFT BW kulturelle Bildung
2015 "Buntes Bewegungsspiel" inklusives, ganzheitliches Museumsprojekt im Ulmer Museum
Zusammenarbeit mit dem Figurentheater Hibiskus in Kooperation mit dem Kunstmuseum Stuttgart
Arbeitet als freie gangreübergreifende Künstlerin im Bereich Schauspiel, Figurentheater, Tanz und Malerei

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https://orpheustheater.jimdofree.com/









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Diana-Maria Bernhard-Sagvosdkina
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